Heute habe ich an einer roten Ampel gesehen, wie jemand aus seinem Auto ausgestiegen ist, um den Fahrer des vor ihm stehenden Autos zu beschimpfen. Er hörte gar nicht mehr auf und spuckte sogar beim Weg zurück zu seinem Auto auf das vor ihm. In dem beschimpften Auto saß ein älteres Paar, das versuchte, den Schimpfer so gut wie möglich zu ignorieren. Als es grün wurde, fuhren sie gemütlich los, was den Schimpfer zu ärgerlichem Hupen brachte. Noch Stunden danach frage ich mich, was der Auslöser dieses Wutausbruches gewesen sein kann.

Wir leben einen Großteil unseres Lebens auf Autopilot. Das sind automatische Verhaltensweisen und Bewegungsabläufe, die wir gelernt haben, damit wir uns auf andere, momentan unsere Aufmerksamkeit verlangende Dinge konzentrieren können. Ein Beispiel ist das Autofahren, das uns anfangs noch ziemlich schwerfällt, da wir Gas geben, lenken, kuppeln, schalten, blinken, abbiegen und all das lernen müssen, um gut und sicher Auto zu fahren. Nach und nach verautomatisiert sich das Ganze durch häufiges Üben und Wiederholen. Und sicher kennen viele von Euch auch die Fahrten, nach denen man sich an Teile oder sogar ganze Strecken nicht erinnert, da man „wie auf Autopilot“ gefahren ist. Wir können beim Autofahren telefonieren, nachdenken, uns unterhalten und kommen trotzdem – meistens – dort an, wohin wir wollen.
So verhält es sich mit einem Großteil unserer täglichen Aktionen. So oft handeln wir impulsiv oder spulen einfach die immer gleichen Muster ab. Oftmals braucht es nur einen Stimulus, der in uns eine Reaktion hervorruft, die nicht zu der Situation passt oder unangemessen ist. Da wir aber auf Autopilot eingestellt sind, läuft das Ganze einfach ab, ohne dass wir uns darüber Gedanken machen.

Das Sich-Aufregen über andere im Straßenverkehr ist ja weit verbreitet. Die Frage ist nur: was bringt mir das? Erst einmal weiß ich ja gar nicht, warum der Mensch vor mir so langsam fährt oder der hinter mir so drängelt. Vielleicht hat er gerade eine schlechte Nachricht bekommen und fährt nun langsamer als normal, um keinen Unfall zu bauen, weil er so in seinen Gedanken unterwegs ist. Oder er drängelt, weil er gerade den Anruf bekommen hat, dass seine Frau in den Wehen liegt und er nun so schnell wie möglich ins Krankenhaus möchte. Wenn wir uns in die Situation des Anderen versetzen, können wir empathisch handeln und ein Verständnis aufbauen. So haben wir dann gar keinen Grund mehr, uns aufzuregen.
Zweitens löst das Sich-Aufregen die Situation äußerst selten – im Gegenteil, meistens verschlechtert es sie noch. So entstehen Konflikte, die verhindert hätten werden können, eventuell kommt es zu Gefahrsituationen. Wenn wir es schaffen, ruhig zu bleiben, werden keine Stresshormone ausgeschüttet, wir sind entspannt und können mit kühlem Kopf die folgenden Entscheidungen treffen. Oft zieht eine negative Situation gleich weitere nach sich, so gelangen wir in einen Teufelskreis der negativen Emotionen, dem es immer schwieriger wird zu entkommen.

Versucht es doch mal in der nächsten Stresssituation. Kommt aus dem Autopilot-Modus und haltet einfach mal für einen Moment an. Versucht, die Situation aus der Sichtweise des Anderen zu sehen, überlegt, was es Euch bringt, Euch jetzt aufzuregen und schaut, ob es eine andere, neue Verhaltensweise gibt, die Euch und Anderen besser tut und – BE YOUR BEST SELF!